{"id":1523,"date":"2016-12-23T10:09:18","date_gmt":"2016-12-23T09:09:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.nccr-onthemove.ch\/?p=1523"},"modified":"2016-12-23T10:09:18","modified_gmt":"2016-12-23T09:09:18","slug":"es-begab-sich-aber-zu-der-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/es-begab-sich-aber-zu-der-zeit\/?lang=de","title":{"rendered":"Es begab sich aber zu der Zeit&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong>So, wir wissen es alle, beginnt die Weihnachtsgeschichte. Mit dem Erlass des Kaisers, der die Menschen in Scharen in Bewegung setzt. Und die Geschichte endet mit der Flucht der Familie Christi nach \u00c4gypten. Seit einiger Zeit nehmen deshalb Kommentatoren diese Geschichte jedes Jahr zum Anlass, um \u00fcber Heimatlosigkeit, Flucht und Vertreibung nachzudenken.<\/strong><\/p>\n<p>Sie appellieren an unser (christliches) Gewissen, Fl\u00fcchtlingen, die ihre Heimat verloren haben und nun auf der Suche nach einem Ort sind, an dem sie ein neues Leben beginnen oder auch nur warten, bis sie eines Tages zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen, wenigstens einen Ort zum \u00dcberleben oder sogar eine neue Heimat zu bieten.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Moment denken wir dann \u00fcber diese Verbindung von biblischer Geschichte, die f\u00fcr uns an Weihnachten zu einem Moment der Erbauung geworden ist \u2013 h\u00e4ufig einhergehend mit dem Prozess des Verdauens nach einem reichen Festmahl, beim Lesen der Weihnachtsgeschichte, dem Anz\u00fcnden der Kerzen am Baum, dem \u00d6ffnen der Geschenke oder dem Lauschen der Predigt des Pfarrers in der Mitternachtsmesse \u2013, mit der heutigen Realit\u00e4t nach, sehen die Parallelen, betonen aber auch sofort die Unterschiede.<\/p>\n<p>Aus der einen Geschichte ist eine der grossen Weltreligionen entstanden. Sie ist kanonisiert, in der Bibel, ist zum unverzichtbaren Bestandteil von Millionen, Milliarden von Menschen geworden, seit Tausenden von Jahren, \u00fcber den ganzen Erdball hinweg. Die andere Geschichte, die der heutigen Menschen auf der Flucht, hingegen ist bestimmt von Unsicherheit, nicht nur f\u00fcr die betroffenen Menschen selber, sondern f\u00fcr uns alle. Sie steht f\u00fcr eine Welt, die aus den Fugen geraten scheint, f\u00fcr Prozesse, die wir nicht wirklich verstehen, f\u00fcr Konflikte, die uns ratlos machen und ersch\u00fcttern. Hier gibt es keine Erbauung, vor allem auch keine L\u00f6sung, geschweige denn, dass sich hier wie in der biblischen Geschichte der Anfang von etwas Neuem, Wunderbarem abzeichnen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Neu zwar schon, aber eher im Sinn von be\u00e4ngstigend und uns unbeeinflussbar und unkontrollierbar erscheinend. Das Licht, das Jesus damals in die Welt gebracht hat, symbolisiert durch die Kerzen am Weihnachtsbaum, fehlt. Vielmehr w\u00e4hnen wir uns in Dunkelheit, auf einer Reise, die einer Geisterbahn \u00e4hnelt und von der wir weder wissen, wie lange sie dauert noch wo das Ende sein wird.<\/p>\n<p>Uns fehlt der Mut, vielleicht auch einfach die Weitsicht, um in dieser Zeit der Dunkelheit ein helles Licht zu sehen. Schaut man sich die \u00c4ngste vieler Menschen an, k\u00f6nnte man fast vor einer apokalyptischen Bedrohung sprechen, so sehr f\u00fcrchten sie die Globalisierung und den damit einhergehenden Umbau der Welt wie der einzelnen Gesellschaften. Sie zeigen auf die Ursachen des B\u00f6sen: Den \u00fcberbordenden Kapitalismus, der die traditionelle Wirtschaftsstruktur in vielen L\u00e4ndern nicht nur ver\u00e4ndert, sondern zerst\u00f6rt, gnadenlos alle ausbeutet und mit seiner Macht ganze Staaten in den Ruin treibt und Volkswirtschaften zerst\u00f6rt. Den Staat und seine Unf\u00e4higkeit, mit den neuen Herausforderungen umzugehen, gehasst als gefr\u00e4ssiges b\u00fcrokratisches Monster oder als Hort derjenigen, die sich schamlos bereichern. Die Fremden, welche die Arbeitspl\u00e4tze der Einheimischen stehlen und mit ihren Werten und Normen die eigenen Vorstellungen von Recht und Gesetz, von Sitte und Moral untergraben. Die Profiteure, die nicht arbeiten und als Sozialhilfeempf\u00e4nger, Subventionsschmarotzer, Abzocker oder Erben grosser Verm\u00f6gen auf Kosten der Anderen leben, ohne ihren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt zu leisten.<\/p>\n<p>Vergleicht man all diese Gruppen und Herausforderungen mit der Bibel, stellt man \u00fcberrascht fest, dass sie bereits damals benannt werden \u2013 nicht in der heutigen Form, aber als Figuren, denen sich Jesus zuwendet, die er kritisiert, aber auch auffordert, neue Wege zu gehen, seien es die Armen, Zerlumpten oder Auss\u00e4tzigen, seien es die Steuereintreiber, Z\u00f6llner oder Pharis\u00e4er.<\/p>\n<p>Wir hingegen wehren uns gegen die neuen Wege, die sich abzeichnen und die ich vereinfachend Globalisierung genannt habe. Nat\u00fcrlich gen\u00fcgt ein solches Schlagwort nicht, um den Wandel der Gesellschaft zu erfassen. Aber grunds\u00e4tzlich geht es darum, dass die klassische Wirtschaftsstruktur aufgel\u00f6st und durch eine neue ersetzt wird, die hohe Anforderungen an jeden Einzelnen aber auch an ganze Staaten stellt. Es geht auch darum, dass die gesellschaftlichen Fundamente sich ver\u00e4ndern und dass sogar die Zerst\u00f6rung der nat\u00fcrlichen Grundlagen, des Klimas und der Ressourcen damit verbunden ist. Bleibt uns angesichts dieser gigantischen Herausforderungen nur die Arche?<\/p>\n<p>Jesus hat die Menschen radikal auf etwas eingestimmt: Es ist deine Haltung, die z\u00e4hlt. Steh auf und geh! Wir haben den Glauben an diese einfache Wahrheit verloren. Alle anderen z\u00e4hlen, alle andern sind schuld, ich bin das Opfer. Gibt es denn heute noch Menschen, die sich nicht als Opfer sehen? Wie kann es nur sein, dass die Superreichen, Supererfolgreichen, Superm\u00e4chtigen sich \u00fcberall hinstellen, \u00fcber ihre Opferrolle jammern und irgendwelche \u00abEliten\u00bb beschuldigen? Dass wir, denen es meist gut bis sehr gut geht, uns hinstellen und uns beklagen \u00fcber Zuviel oder Zuwenig.<\/p>\n<p>Die Weihnachtsbotschaft, aber auch das gesamte Leben von Jesus steht \u2013 selbst wenn man nicht gl\u00e4ubig ist \u2013 f\u00fcr die Botschaft: Steh auf, gehe deinen Weg.<\/p>\n<p>Dieser Mut hat uns verlassen, und das f\u00fchrt dazu, dass wir nur noch das wollen, was angeblich gestern war, wir wollen in die heile Welt zur\u00fcck. Und wir \u00fcberlegen uns nicht, dass die Welt auch gestern nicht heil war, dass sie nie heil war. Heil ist nur, was wir f\u00fcr die Zukunft schaffen. Deshalb w\u00e4re es sch\u00f6n, wenn wir bald einmal lesen k\u00f6nnten:<\/p>\n<p>Es begibt sich aber zur heutigen Zeit, dass &#8230;<\/p>\n<p><a href=\"\/?page_id=21&amp;lang=fr&amp;author=leimgruber\">Walter Leimgruber<\/a><br \/>\nProjektleiter, nccr \u2013 on the move, Universit\u00e4t Basel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, wir wissen es alle, beginnt die Weihnachtsgeschichte. Mit dem Erlass des Kaisers, der die Menschen in Scharen in Bewegung setzt. Und die Geschichte endet mit der Flucht der Familie Christi nach \u00c4gypten. 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