{"id":1616,"date":"2017-01-19T14:28:27","date_gmt":"2017-01-19T13:28:27","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.nccr-onthemove.ch\/?p=1616"},"modified":"2017-01-19T14:28:27","modified_gmt":"2017-01-19T13:28:27","slug":"welchen-nutzen-bringt-staatsbuergerschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/welchen-nutzen-bringt-staatsbuergerschaft\/?lang=it","title":{"rendered":"\u00abWelchen Nutzen bringt Staatsb\u00fcrgerschaft?\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Abstimmung \u00fcber die erleichterte Einb\u00fcrgerung von Personen der dritten Ausl\u00e4ndergeneration vom 12. Februar wirft erneut die Frage nach dem Nutzen von Staatsb\u00fcrgerschaft auf. Wissenschaftliche Studien belegen, dass dieser Nutzen weit \u00fcber politische Mitsprache hinausgeht. Noch wichtiger als jeglicher greifbare Nutzen ist jedoch das symbolische Signal, das mit der anstehenden Abstimmung ausgesendet wird.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Macht Staatsb\u00fcrgerschaft \u00fcberhaupt einen Unterschied?<\/strong><\/p>\n<p>Am 12. Februar 2017 stimmen die Schweizerinnen und Schweizer dar\u00fcber ab, ob Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder der dritten Generation erleichtert eingeb\u00fcrgert werden sollen. Betroffen ist etwa jene in der Schweiz geborene Ausl\u00e4nderin, deren Eltern bereits in der Schweiz aufwuchsen, deren Grosseltern jedoch in die Schweiz eingewandert waren. In vielerlei Hinsicht unterscheidet sie sich kaum von ihrer Schweizer Freundin, deren Grosseltern geb\u00fcrtige Schweizer waren. Vermutlich sind beide gr\u00f6sstenteils in der Schweiz sozialisiert worden und zur Schule gegangen und es ist anzunehmen, dass beide fliessend eine Schweizer Landessprache sprechen. Die beiden unterscheiden sich vor allem darin, dass die Schweizerin an nationalen Wahlen und Abstimmungen teilnehmen darf, w\u00e4hrend der Ausl\u00e4nderin diese politische Mitsprache verwehrt bleibt. Macht angesichts dieser grossen \u00c4hnlichkeiten zwischen Personen der dritten Ausl\u00e4ndergeneration und einheimischen SchweizerInnen ein einfacherer Zugang zur Staatsb\u00fcrgerschaft \u00fcberhaupt noch einen Unterschied? Was bedeutet der Zugang zu Staatsb\u00fcrgerschaft f\u00fcr die betroffenen Individuen? Und wie beeinflusst er die individuelle Integration?<\/p>\n<p><strong>Internationale und nationale wissenschaftliche Befunde<\/strong><\/p>\n<p>Zahlreiche Studien verweisen auf die vielf\u00e4ltigen positiven Auswirkungen von Staatsb\u00fcrgerschaft, die von gesteigertem politischem Interesse bis hin zu einem h\u00f6heren Einkommen reichen (eine \u00dcbersicht bietet das Buchkapitel von Irene Bloemraad [im Erscheinen] im nachfolgenden Literaturtipp). So belegen Studien aus den USA, dass eingeb\u00fcrgerte ImmigrantInnen st\u00e4rker politisch mobilisiert sind als nicht eingeb\u00fcrgerte. Untersuchungen zu europ\u00e4ischen L\u00e4ndern decken zudem auf, dass sich ImmigrantInnen in L\u00e4ndern mit tieferen Einb\u00fcrgerungsh\u00fcrden st\u00e4rker mit der Politik des Aufnahmelandes identifizieren, w\u00e4hrend sich ihre politischen Anliegen in L\u00e4ndern mit h\u00f6heren H\u00fcrden wie zum Beispiel der Schweiz eher in Richtung Heimatland orientieren.<\/p>\n<p>Nebst politischer Aktivierung bringt Staatsb\u00fcrgerschaft aber auch messbare wirtschaftliche Vorteile mit sich, wie etwa einen unbeschr\u00e4nkten Zugang von eingeb\u00fcrgerten Personen zum Arbeitsmarkt. In diversen europ\u00e4ischen Staaten haben Ausl\u00e4nderInnen nur beschr\u00e4nkt Zugang zu staatlichen Anstellungen, beispielsweise in der Verwaltung, oder zu Berufen in gewissen hochdotierten Branchen wie Medizin oder dem Rechtswesen. Dar\u00fcber hinaus beeinflusst Staatsb\u00fcrgerschaft Studien zufolge auch das Lohnniveau. In L\u00e4ndern wie Kanada, D\u00e4nemark, Deutschland, Norwegen, den Niederlanden, Schweden und den USA, wird der \u00abLohnbonus\u00bb von Staatsb\u00fcrgerschaft \u2013 abz\u00fcglich anderer individueller Merkmale \u2013 zwischen einem und f\u00fcnf Prozent gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist es jedoch schwierig, einen allf\u00e4lligen Effekt von Staatsb\u00fcrgerschaft auf die individuelle Integration unabh\u00e4ngig von anderen Faktoren zu sch\u00e4tzen. Integrationsindikatoren wie politische Aktivit\u00e4t oder das Lohnniveau werden in der Regel nicht nur durch Staatsb\u00fcrgerschaft, sondern vor allem auch durch die Motivation oder F\u00e4higkeiten eines Individuums bestimmt \u2013 was wiederum die Entscheidung, sich einb\u00fcrgern zu lassen, beeinflussen d\u00fcrfte. Doch auch Studien, die den Effekt von Staatsb\u00fcrgerschaft sehr glaubhaft isolieren k\u00f6nnen, belegen die integrationsf\u00f6rdernde Wirkung eines einfachen Zugangs zu Staatsb\u00fcrgerschaft. Ein Beispiel bietet die Einf\u00fchrung des\u00a0<em>jus soli<\/em>\u00a0Einb\u00fcrgerungsprinzips in Deutschland im Jahr 2000, das in Deutschland geborenen Kindern von permanent niedergelassenen ImmigrantInnen automatisch den deutschen Pass verleiht. Diese Reform hat die Familienplanung von eingewanderten Eltern, deren Kinder direkt nach Einf\u00fchrung der Reform geboren wurden und so in Genuss der\u00a0<em>jus soli<\/em>\u00a0Staatsb\u00fcrgerschaft kamen, nachweislich beeinflusst: sie investierten mehr in deren individuelle und soziale Entwicklung und tendieren gleichzeitig dazu, insgesamt weniger Kinder zu haben.<\/p>\n<p>Wissenschaftliche Untersuchungen belegen auch f\u00fcr den Fall der Schweiz, dass Staatsb\u00fcrgerschaft den Integrationsprozess anregt: Eingeb\u00fcrgerte ImmigrantInnen engagieren sich demnach hierzulande signifikant h\u00e4ufiger politisch und weisen ein h\u00f6heres politisches Wissen auf als vergleichbare Ausl\u00e4nderInnen. Zudem haben eingeb\u00fcrgerte Personen st\u00e4rker das Gef\u00fchl, die eigene Meinung z\u00e4hle etwas. Sie lesen h\u00e4ufiger Schweizer Zeitungen und planen l\u00e4ngerfristiger in der Schweiz zu bleiben als ihre ausl\u00e4ndischen Pendants.<\/p>\n<p><strong>Wichtiges symbolisches Zeichen<\/strong><\/p>\n<p>Insgesamt legt der kurze und gezwungenermassen unvollst\u00e4ndige Abriss der existierenden Forschung zum Thema nahe, dass Staatsb\u00fcrgerschaft eine Rolle spielt, die weit \u00fcber blosse politische Mitsprache hinausgeht. Indem Staatsb\u00fcrgerschaft Zugang zu politischer Mitsprache schafft, leistet sie einen wichtigen Beitrag zur individuellen Integrationsf\u00f6rderung. Wie im\u00a0<a href=\"\/?p=1547\">Er\u00f6ffnungsblog<\/a>\u00a0dieser Serie ausf\u00fchrlich diskutiert, bringt die Abstimmungsvorlage vom 12. Februar nur bescheidene Einb\u00fcrgerungserleichterungen f\u00fcr die dritte Ausl\u00e4ndergeneration mit sich. Ein moderates Reformvorhaben also, das nicht vergleichbar ist mit der Einf\u00fchrung des\u00a0<em>jus soli<\/em>\u00a0Prinzips f\u00fcr Einwanderer und Einwanderinnen der zweiten Generation in Deutschland.<\/p>\n<p>Ungeachtet der minimen rechtlichen Auswirkungen \u2013 symbolisch kommt dieser Abstimmung eine grosse Bedeutung zu. Staatsb\u00fcrgerschaft bringt n\u00e4mlich nicht nur greifbare oder materielle Vorteile mit sich, sondern sie hat auch eine symbolische Wirkung. Weit wichtiger als die formale Einb\u00fcrgerungspolitik ist dabei die offizielle Haltung gegen\u00fcber ImmigrantInnen. Werden diese als verdienstvolle und gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft erachtet, sendet dies ein ganz anderes Signal, als wenn sie prim\u00e4r als Sicherheits- oder Kostenrisiko wahrgenommen werden. Internationale Studien zeigen, dass die offizielle Haltung gegen\u00fcber ImmigrantInnen die Integration beeinflusst. F\u00fchlen sich Einwanderer und Einwanderinnen willkommen, f\u00e4llt es ihnen leichter, sich mit dem Aufnahmeland zu identifizieren und sich darin zu engagieren. In diesem Sinn bietet die anstehende Abstimmung die Chance, ein Willkommenszeichen zu setzen, das jene Personen zur vollwertigen Teilnahme und Teilhabe am \u00f6ffentlichen Schweizer Leben ermutigt, die bereits seit Generationen hier leben.<\/p>\n<p><a href=\"\/?page_id=21&amp;lang=de&amp;author=manatschal\">Anita Manatschal<\/a><br \/>\nAssistenzprofessorin, politische Migrationsforschung, angegliedert an den \u00abnccr\u00a0\u2013\u00a0on the move\u00bb<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literaturtipp<\/strong><\/p>\n<p>Bloemraad, Irene (im Erscheinen). &#8220;Does citizenship matter?&#8221; In Oxford Handbook of Citizenship, herausgegeben von Ayelet Shachar, Rainer Baub\u00f6ck, Irene Bloemraad und Maarten Peter Vink. Oxford: Oxford University Press.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Circa il 25% delle persone maggiorenni che vivono in Svizzera non hanno il diritto di prendere parte alle decisioni politiche a livello federale perch\u00e9 non sono naturalizzate e, di conseguenza, non possiedono il passaporto svizzero. In previsione del voto sulla naturalizzazione facilitata delle persone straniere di terza generazione, prevista il 12 febbraio 2017, l\u2019\u00abnccr \u2013 on the move\u00bb pubblica una serie di blogpost che presentano dati e fatti sulla naturalizzazione in Svizzera.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Abstimmung \u00fcber die erleichterte Einb\u00fcrgerung von Personen der dritten Ausl\u00e4ndergeneration vom 12. Februar wirft erneut die Frage nach dem Nutzen von Staatsb\u00fcrgerschaft auf. Wissenschaftliche Studien belegen, dass dieser Nutzen weit \u00fcber politische Mitsprache hinausgeht. Noch wichtiger als jeglicher greifbare Nutzen ist jedoch das symbolische Signal, das mit der anstehenden Abstimmung ausgesendet wird.<\/p>\n","protected":false},"author":38,"featured_media":1552,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[691,62],"tags":[295,318],"coauthors":[355],"class_list":["post-1616","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-naturalization-it","category-politica","tag-citizenship-it","tag-switzerland-it"],"acf":[],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1616","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/38"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1616"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1616\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1621,"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1616\/revisions\/1621"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1552"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1616"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1616"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1616"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=1616"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}