{"id":2276,"date":"2017-11-02T11:13:45","date_gmt":"2017-11-02T10:13:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.nccr-onthemove.ch\/?p=2276"},"modified":"2019-11-12T19:15:01","modified_gmt":"2019-11-12T18:15:01","slug":"ist-es-fair-und-richtig-von-gewaehlten-politikerinnen-zu-verlangen-dass-sie-ihren-auslaendischen-pass-abgeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/ist-es-fair-und-richtig-von-gewaehlten-politikerinnen-zu-verlangen-dass-sie-ihren-auslaendischen-pass-abgeben\/?lang=de","title":{"rendered":"Ist es fair und richtig, von gew\u00e4hlten Politiker*innen zu verlangen, dass sie ihren ausl\u00e4ndischen Pass abgeben?"},"content":{"rendered":"<p><strong>20. September 2017: Ignazio Cassis wird neu zum Bundesrat gew\u00e4hlt. Er h\u00e4tte der erste Bundesrat mit Doppelb\u00fcrgerrecht werden k\u00f6nnen \u2013 wenn er vor der Wahl nicht entschieden h\u00e4tte, seine italienische Staatsangeh\u00f6rigkeit aufzugeben, ohne dass eine entsprechende rechtliche Pflicht bestehen w\u00fcrde.<\/strong><\/p>\n<p>Seit 1992 l\u00e4sst die Schweiz das Doppelb\u00fcrgerrecht zu. Die Pflicht, seine andere Staatsangeh\u00f6rigkeit aufzugeben, gilt nun also schon seit mehr als 25 Jahren nicht mehr: und zwar unabh\u00e4ngig davon, wie sie erworben wurde. Diese Entwicklung entspricht dem geltenden V\u00f6lkerrecht, das zunehmend anerkennt, dass die Staatsangeh\u00f6rigkeit \u2013 einschliesslich der doppelten oder mehrfachen Staatsangeh\u00f6rigkeit \u2013 einen menschenrechtlichen Gehalt hat, da diese einen zentralen Bestandteil der sozialen Identit\u00e4t einer Person darstellt. Aus juristischer Sicht war Ignazio Cassis also unbestrittenermassen nicht verpflichtet, seine italienische Staatsangeh\u00f6rigkeit aufzugeben.<\/p>\n<p>Ist es fair, dennoch zu verlangen, dass er seinen ausl\u00e4ndischen Pass abgibt? Dies ist in erster Linie eine politische Frage, die unterschiedlich beantwortet werden kann. Man k\u00f6nnte beispielsweise argumentieren, dass Cassis enge Beziehungen zu Italien hat und daher auch ein grosses Interesse hat, beide P\u00e4sse zu behalten. Man k\u00f6nnte aber auch die Frage aufwerfen, ob er eines Tages als Vorsteher des Eidgen\u00f6ssischen Departements f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten gen\u00fcgend loyal w\u00e4re, um die Schweiz in Verhandlungen mit Italien zu vertreten. Dennoch \u2013 m\u00fcssten wir bei einer solchen Argumentation nicht auch verlangen, dass Politiker*innen beispielsweise ihr Eigentum in anderen L\u00e4ndern aufgeben?<\/p>\n<p>Die grunds\u00e4tzliche Frage ist daher wohl eher, ob eine Person vertrauensw\u00fcrdig und f\u00e4hig ist, ein politisches Amt innezuhaben und nicht, ob diese Person einen oder mehrere P\u00e4sse hat. Aus rechtlicher Sicht ist klar, dass letzteres kein Hindernis sein darf.<\/p>\n<p><a href=\"\/?page_id=21&amp;lang=de&amp;author=vonruette\">Barbara von R\u00fctte<\/a><br \/>\nDoktorandin, nccr \u2013 on the move, Universit\u00e4t Bern<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ab 1. November 2017 ist Ignazio Cassis einer der sieben Bundesr\u00e4t*innen der Schweiz. Seine Wahl ist geschichtlich bedeutend. Cassis ist der erste Bundesrat, der bei Geburt noch kein Schweizer Staatsangeh\u00f6riger war. Er h\u00e4tte auch der erste Bundesrat mit Doppelb\u00fcrgerrecht werden k\u00f6nnen \u2013 h\u00e4tte er vor der Wahl nicht entschieden, seine italienische Staatsangeh\u00f6rigkeit aufzugeben. Der \u00abnccr \u2013 on the move\u00bb publiziert eine kurze Reihe von Blog-Beitr\u00e4gen mit Gedanken zu rechtlichen und politischen Fragen zum Doppelb\u00fcrgerrecht gew\u00e4hlter Politiker*innen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20. September 2017: Ignazio Cassis wird neu zum Bundesrat gew\u00e4hlt. 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