{"id":2637,"date":"2018-02-26T08:39:46","date_gmt":"2018-02-26T07:39:46","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.nccr-onthemove.ch\/?p=2637"},"modified":"2018-10-18T14:39:30","modified_gmt":"2018-10-18T13:39:30","slug":"integriert-ist-wer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/integriert-ist-wer\/?lang=de","title":{"rendered":"Integriert ist, wer\u2026"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u2026 die \u00f6ffentliche Sicherheit und Ordnung beachtet, wer die Werte der Bundesverfassung respektiert, wer die erforderlichen Sprachkompetenzen nachweist und wer am Wirtschaftsleben oder am Erwerb von Bildung teilnimmt. Bald sind diese Integrationskriterien von den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden bei der Beurteilung der Integration zu ber\u00fccksichtigen: auch bei H\u00e4rtefallgesuchen von \u00abSans-Papiers\u00bb?<\/strong><\/p>\n<p>Genau: Zuk\u00fcnftig verankert in <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/official-compilation\/2017\/6521.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Art. 58a des Bundesgesetzes \u00fcber Ausl\u00e4nder*innen und Integration (AIG \u2013 noch nicht in Kraft)<\/a>, nehmen diese Integrationskriterien auch eine wichtige Rolle in der Frage der H\u00e4rtefallregelung von Sans-Papiers ein; wenn auch nicht nur.<\/p>\n<p><strong>Zwei unterschiedliche H\u00e4rtefallm\u00f6glichkeiten<\/strong><\/p>\n<p>Aus rechtlicher Sicht sind zwei H\u00e4rtefallregelungen zu unterscheiden.\u00a0Bei der ersten M\u00f6glichkeit k\u00f6nnen die Kantone f\u00fcr Asylsuchende, die sich seit mindestens f\u00fcnf Jahren in der Schweiz aufhalten, beim Staatssekretariat f\u00fcr Migration eine Aufenthaltsbewilligung beantragen. Vorausgesetzt, die betroffene Person stellt wegen fortgeschrittener Integration einen schwerwiegenden H\u00e4rtefall dar. Die M\u00f6glichkeit der H\u00e4rtefallregelung findet unabh\u00e4ngig vom Status des Asylverfahrens Anwendung \u2013 daher auch bei einem rechtskr\u00e4ftig abgelehnten Asylgesuch (Art. 14 Abs. 2 AsylG). Im <a href=\"https:\/\/www.sem.admin.ch\/dam\/data\/sem\/publiservice\/statistik\/auslaenderstatistik\/haertefaelle\/haertefaelle-art14-abs2-asylg-2016-d.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jahr 2016<\/a> sind 121 solcher H\u00e4rtefallgesuche vom Staatssekretariat f\u00fcr Migration gutgeheissen und 14 abgelehnt worden.<\/p>\n<p>Die zweite M\u00f6glichkeit der H\u00e4rtefallregelung betrifft Personen ohne Anwesenheitsregelung, sogenannte Sans-Papiers. Diese Personen halten sich rechtswidrig und ohne Aufenthaltsstatus in der Schweiz auf. Gem\u00e4ss aktuell geltendem Bundesgesetz \u00fcber die Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder (Art. 30 Abs. 1 let. b AuG) kann ihnen vom Staatssekretariat f\u00fcr Migration eine Aufenthaltsbewilligung erteilt werden, wenn ein schwerwiegender pers\u00f6nlicher H\u00e4rtefall vorliegt. Im <a href=\"https:\/\/www.sem.admin.ch\/dam\/data\/sem\/publiservice\/statistik\/auslaenderstatistik\/haertefaelle\/haertefaelle-art30-abs1-aug-2016-d.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jahr 2016<\/a> sind 410 solcher H\u00e4rtefallgesuche gutgeheissen und vier abgelehnt worden. Die relativ hohe Zahl positiver Entscheide erkl\u00e4rt sich mit der vom Kanton Genf initiierten <a href=\"\/?p=1914\">Operation Papyrus<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Die Pr\u00fcfung der Integration<\/strong><\/p>\n<p>In beiden H\u00e4rtefallregelungen wird die Integration der betroffenen Person gepr\u00fcft. Vorliegend interessiert insbesondere die Anwendung des oben erw\u00e4hnten Art. 30 Abs. 1 let. b AuG im Ausl\u00e4ndergesetz, also der H\u00e4rtefallregelung von ausl\u00e4ndischen Personen ohne Aufenthaltsregelung. Aktuell pr\u00e4zisiert <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/20070993\/index.html#a31\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Art. 31 Abs. 1 let. a- g der Verordnung \u00fcber Zulassung, Aufenthalt und Erwerbst\u00e4tigkeit (VZAE)<\/a> die Anwendung. Dieser Artikel listet auf was die Beh\u00f6rden bei der Beurteilung eines schwerwiegenden pers\u00f6nlichen H\u00e4rtefalls zu ber\u00fccksichtigen haben:<\/p>\n<ul class=\"liste\">\n<li>Die Integration der Gesuchstellerin oder des Gesuchstellers,<\/li>\n<li>die Respektierung der Rechtsordnung durch die Gesuchstellerin oder den Gesuchsteller,<\/li>\n<li>die Familienverh\u00e4ltnisse, insbesondere der Zeitpunkt der Einschulung und die Dauer des Schulbesuchs der Kinder,<\/li>\n<li>die finanziellen Verh\u00e4ltnisse sowie der Wille zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung,<\/li>\n<li>die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz,<\/li>\n<li>der Gesundheitszustand,<\/li>\n<li>und die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine Wiedereingliederung im Herkunftsstaat.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Wichtig zu wissen: Die VZAE wird aktuell angepasst<\/strong><\/p>\n<p>Aufgrund der Teilrevision des Ausl\u00e4ndergesetzes (<a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/official-compilation\/2017\/6521.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zuk\u00fcnftig Ausl\u00e4nder*innen- und Integrationsgesetz (AIG), angenommen am 16. Dezember 2016<\/a>) ist die VZAE \u2013 ebenso wie die Verordnung \u00fcber die Integration von Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4ndern (<a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/20070995\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">VIntA<\/a>) \u2013 aktuell in der <a href=\"https:\/\/www.sem.admin.ch\/sem\/de\/home\/aktuell\/gesetzgebung\/aug-integration-paket2.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vernehmlassung<\/a>. Dies bedeutet, dass die VZAE an das neue AIG angepasst wird, was unter anderem auch die Konkretisierung der eingangs aufgelisteten Integrationskriterien beinhaltet. Der <a href=\"https:\/\/www.sem.admin.ch\/dam\/data\/sem\/aktuell\/gesetzgebung\/aug-integration-paket2\/vn-ber-vzae-d.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">erl\u00e4uternde Bericht zu den \u00c4nderungen in der VZAE<\/a> sieht vor, dass Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder die Integrationskriterien gem\u00e4ss Art. 58a nAIG erf\u00fcllen m\u00fcssen, damit eine H\u00e4rtefallregelung und somit die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zur Anwendung kommen kann. Gleichzeitig pr\u00e4zisieren weitere Bestimmungen (Art. 77a bis 77f E-VZAE) diese Integrationskriterien. Die Bestimmungen gelten auch f\u00fcr das H\u00e4rtefallgesuch einer Person ohne Aufenthaltsregelung.<\/p>\n<p><strong>Vertiefte Integrationspr\u00fcfung f\u00fcr Sans-Papiers?<\/strong><\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20183005\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Motion f\u00fcr eine koh\u00e4rente Gesetzgebung zu Sans-Papiers<\/a> verlangt nun unter anderem eine Konkretisierung der H\u00e4rtefallkriterien gem\u00e4ss dem Bundesgesetz \u00fcber die Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder (AuG). Die Kommission f\u00fcr soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats erl\u00e4utert, dass der Fokus dabei auf langj\u00e4hrige anwesende, sprich \u00abintegrierte\u00bb Sans-Papiers, besondere Familien mit Kindern in Ausbildung, gelegt wird. Die Konkretisierung der Integrationskriterien soll sich dabei an \u00aberwerbst\u00e4tig, nicht sozialhilfebed\u00fcrftig und nicht straff\u00e4llig\u00bb orientieren.<\/p>\n<p>Diese Forderung ist insofern interessant, dass die Integrationskriterien aufgrund der aktuellen \u00c4nderungen im AuG und den aktuellen \u00c4nderungen in der VZAE gerade konkretisiert werden. Der Gesetzgeber hat bereits durch die Teilrevision des AuG und die Einf\u00fchrung von Integrationskriterien, die von der Motion verlangte Koh\u00e4renz bei der Integrationspr\u00fcfung umgesetzt. Abzuwarten bleibt, ob die Kommission den Interpretationsspielraum der Beh\u00f6rden st\u00e4rker einengen und somit eine versch\u00e4rfte, respektive vertiefte Pr\u00fcfung der Integration von Personen ohne Aufenthaltsbewilligung fordert.<\/p>\n<p><a href=\"\/?page_id=21&amp;lang=de&amp;author=kurtstefanie\">Stefanie Kurt<\/a><br \/>\nAssistenzprofessorin FH, Institut Soziale Arbeit, Siders<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>Sans-Papiers in der Schweiz<br \/>\n<\/strong><\/em><em>Die Kommission f\u00fcr Soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats reichte am 26. Januar 2018 eine Motion ein, die eine koh\u00e4rente Gesetzgebung zu \u00abSans-Papiers\u00bb fordert. Darin fordert sie unter anderen eine Zugangseinschr\u00e4nkung zu Sozialversicherungen, eine staatlich finanzierte Anlaufstelle im Krankheitsfall, versch\u00e4rfte Strafverfolgung von Arbeitgeber*innen, Arbeitsvermittler*innen und Vermieter*innen von \u00abSans-Papiers\u00bb, einen erleichterten Datenaustausch zwischen staatlichen Stellen sowie die Konkretisierung der H\u00e4rtefallkriterien. Die Blog-Serie greift gewisse Elemente der Motion auf und diskutiert diese im Kontext von aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen.\u00a0Die Motion wurde am 18. Mai 2018 zur\u00fcckgezogen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 die \u00f6ffentliche Sicherheit und Ordnung beachtet, wer die Werte der Bundesverfassung respektiert, wer die erforderlichen Sprachkompetenzen nachweist und wer am Wirtschaftsleben oder am Erwerb von Bildung teilnimmt. 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