{"id":3470,"date":"2019-02-13T09:00:19","date_gmt":"2019-02-13T08:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.nccr-onthemove.ch\/?p=3470"},"modified":"2025-03-09T21:56:12","modified_gmt":"2025-03-09T20:56:12","slug":"herausforderungen-der-integration-in-einer-bergregion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/herausforderungen-der-integration-in-einer-bergregion\/","title":{"rendered":"Herausforderungen der Integration in einer Bergregion"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Kanton Wallis vereint Berg und Tal, Stadt und Dorf, Tourismus und Landwirtschaft. Dabei sieht sich jedes Gebiet wie auch jeder Sektor mit eigenen Herausforderungen im Bereich der Integration von ausl\u00e4ndischen Mitb\u00fcrger*innen konfrontiert. Die Frage stellt sich, wie wir kulturelle und ethnische Grenzziehungen innerhalb unserer Gesellschaft abbauen und dabei ad\u00e4quate L\u00f6sungsans\u00e4tze f\u00fcr ein funktionierendes Miteinander definieren k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<p>Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts stellten im Wallis bereits die Grenzen zwischen den einzelnen D\u00f6rfern im Tal schier un\u00fcberwindbare Hindernisse dar. \u00abAusl\u00e4nder*innen\u00bb waren bereits die Bewohner*innen des Nachbardorfes. Vier von f\u00fcnf Walliser*innen verbrachten zu dieser Zeit ihr ganzes Leben in ihrem Geburtsort. Erst 1830 wurde das Recht auf freie Niederlassung innerhalb des Kantons gew\u00e4hrt. Heute sieht das anders aus und die Migration findet nicht mehr nur kantons- oder landesintern, sondern global statt. Damit r\u00fcckt die Integration von Migrant*innen immer mehr in den Fokus und gewinnt an Wichtigkeit. Doch was braucht es in einer Bergregion, wie es der Kanton Wallis ist, damit ein gemeinsames, aufgeschlossenes Miteinander funktionieren kann?<\/p>\n<p><strong>Regionale Integrationsstelle Oberwallis<\/strong><\/p>\n<p>Die regionale Integrationsstelle Oberwallis (RIO) ist zust\u00e4ndig f\u00fcr die teilnehmenden Gemeinden des kantonalen Integrationsprogramms (KIP). Dies sind die Talgemeinden Brig-Glis, Naters und Visp sowie die Berggemeinden Zermatt, Randa, T\u00e4sch und Leukerbad. Das dreik\u00f6pfige Team der RIO setzt sich f\u00fcr eine nachhaltige soziale Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ein. Ziel der Arbeit ist das friedliche Zusammenleben der gesamten Bev\u00f6lkerung. Dazu braucht es Sensibilisierungsarbeit auf Seiten der Einheimischen sowie Informations- und Aufkl\u00e4rungsarbeit auf Seiten der Migrant*innen. Damit soll jegliche Form von direkter oder indirekter Diskriminierung beseitigt beziehungsweise schon vor deren Entstehung durch aktives Vorbeugen verhindert werden. Die Teammitglieder der RIO sind in erster Linie Ansprechperson in migrationsspezifischen Anliegen, sie leisten bedarfsgerecht Unterst\u00fctzung und sind Schnittstelle zwischen Beh\u00f6rden und Institutionen und der breiten \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Struktur_kantonales_Integrationsprogramm_Silvia_Eyer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3473\" src=\"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Struktur_kantonales_Integrationsprogramm_Silvia_Eyer.jpg\" alt=\"\" width=\"926\" height=\"677\" srcset=\"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Struktur_kantonales_Integrationsprogramm_Silvia_Eyer.jpg 926w, https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Struktur_kantonales_Integrationsprogramm_Silvia_Eyer-300x219.jpg 300w, https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Struktur_kantonales_Integrationsprogramm_Silvia_Eyer-768x561.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 926px) 100vw, 926px\" \/><\/a>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Die Darstellung zeigt die Struktur des kantonalen<\/em> <em>Integrationsprogramms KIP 2 aufgeteilt in acht Pfeiler.<br \/>\nQuelle: Kanton Wallis <\/em><\/p>\n<p><strong>Was bedeutet Integration?<\/strong><\/p>\n<p>Integration bedeutet, dass die ausl\u00e4ndische Bev\u00f6lkerung in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens im Oberwallis teilhaben kann, was die dauerhafte wirtschaftliche und soziale Selbst\u00e4ndigkeit beinhaltet. Die eher schwierigen geographischen und wirtschaftlichen Bedingungen im Kanton beeinflussen jedoch die Erreichung dieses Ziels. Ein gutes Beispiel daf\u00fcr ist das innere Mattertal. F\u00fcr einheimische Arbeitskr\u00e4fte ist die Tourismusbranche wenig attraktiv. Unregelm\u00e4ssige Arbeitszeiten, saisonal befristete Arbeitsvertr\u00e4ge, das tiefe Lohnniveau wie auch das knappe Angebot an Teilzeitstellen schrecken viele Schweizer*innen ab. Ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte, im inneren Mattertal sind dies zum grossen Teil portugiesische Staatsangeh\u00f6rige, f\u00fcllen diese L\u00fccke. Das Problem dabei ist: Viele dieser Arbeitskr\u00e4fte sind aufgrund von saisonalen Arbeitsvertr\u00e4gen in der Schweiz als Kurzaufenthalter angemeldet. Doch dies f\u00fcr zehn, f\u00fcnfzehn oder zwanzig Jahre! Diese Migrant*innen zu erreichen ist enorm schwierig. Hinzu kommt: Es gibt keine Pflicht seitens der neu Zugezogenen oder Wiedergekehrten, einen Termin bei der Integrationsstelle wahrzunehmen. Lieber organisieren sie sich untereinander.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/L\u00e4nderstatistik_Zermatt_Silvia_Eyer-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3475\" src=\"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/L\u00e4nderstatistik_Zermatt_Silvia_Eyer-1.jpg\" alt=\"\" width=\"571\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/L\u00e4nderstatistik_Zermatt_Silvia_Eyer-1.jpg 571w, https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/L\u00e4nderstatistik_Zermatt_Silvia_Eyer-1-300x192.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 571px) 100vw, 571px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Diese Grafik zeigt die L\u00e4nderstatistik in Zermatt. Insgesamt leben Menschen aus 61 L\u00e4ndern in der Gemeinde. Der gr\u00f6sste Teil davon stammt aus Portugal.<br \/>\nQuelle: Gemeinde Zermatt\u00a0 <\/em><\/p>\n<p><strong>Soziale und berufliche Integration <\/strong><\/p>\n<p>Neben dem inneren Mattertal arbeitet auch in der KIP-Gemeinde Leukerbad der gr\u00f6sste Teil der ausl\u00e4ndischen Bev\u00f6lkerung in der Tourismusbranche. 35 Prozent der Einwohner*innen stammen aus dem Ausland. Von der zust\u00e4ndigen Integrationsbeauftragten wird einmal pro Woche eine Sprechstunde angeboten. Das Ziel ist es, die Migrant*innen zu informieren und die Integration in die bereits bestehenden Strukturen zu unterst\u00fctzen und zu f\u00f6rdern. Dies stellt sich vor allem in der Freizeitgestaltung als eine wesentliche Herausforderung dar, denn im Tourismusbereich wird dann gearbeitet, wenn das soziale Leben im Dorf stattfindet. In den Talgemeinden Brig-Glis, Naters und Visp zeigt sich die Situation derweil von einer anderen Seite: Ein grosser Teil der Zugezogenen stammt aus den EU\/EFTA-Staaten (Europ\u00e4ische Union\/ Europ\u00e4ische Freihandelsassoziation). Es sind Fachkr\u00e4fte im Bereich Gesundheitswesen, in technischen Berufen oder im Ingenieurswesen. Sie sind oft bereits der deutschen Sprache m\u00e4chtig, nehmen die ihnen gebotenen M\u00f6glichkeiten der Integrationsstelle an und integrieren sich beruflich wie auch sozial leichter. Der Fokus hier liegt einerseits bei der Erstinformation, der Unterst\u00fctzung des Einzelnen wie auch bei der \u00d6ffentlichkeitsarbeit unter anderem im Bereich Schutz vor Diskriminierung. Denn Alltagsrassismus wird untersch\u00e4tzt. Menschen werden aufgrund ihrer zugeschriebenen Andersartigkeit ausgeschlossen oder benachteiligt. Dies geschieht oft unbewusst, jedoch in manchen F\u00e4llen willentlich. Deshalb ist die Sensibilisierung in diesem Bereich umso wichtiger.<\/p>\n<p><strong>Migration als Bereicherung<\/strong><\/p>\n<p>Traditionen, sowie die im Kanton Wallis bekannte Zur\u00fcckhaltung pr\u00e4gen das Thema Integration hierzulande. Immer wieder ruft das Wort Migration eine diffuse Angst bei der einheimischen Bev\u00f6lkerung hervor. Dabei geht es um die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust oder um die Angst vor einem Verlust der heimischen Traditionen. Viel mehr jedoch muss uns bewusst werden, dass Migration wirtschaftliches Wachstum und kulturelle Bereicherung bedeutet. Mit diesem Bewusstsein wie auch mit gegenseitiger Akzeptanz, Toleranz und mit gemeinsamer Initiative gelingen Integration und ein funktionierendes Miteinander.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kanton Wallis vereint Berg und Tal, Stadt und Dorf, Tourismus und Landwirtschaft. 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