{"id":5939,"date":"2020-07-09T09:30:20","date_gmt":"2020-07-09T07:30:20","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.nccr-onthemove.ch\/?p=5939"},"modified":"2025-03-09T20:55:16","modified_gmt":"2025-03-09T19:55:16","slug":"outro-soziale-arbeit-im-migrationsrecht-vielfaltig-und-lebendig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/outro-soziale-arbeit-im-migrationsrecht-vielfaltig-und-lebendig\/","title":{"rendered":"Outro: Soziale Arbeit im Migrationsrecht: vielf\u00e4ltig und lebendig"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Blogbeitr\u00e4ge zur zweiten Ausgabe der Serie Soziale Arbeit, Migration, Mobilit\u00e4t und Integration widmeten sich erneut verschiedenen Aspekten und thematisierten Fragen, welche sich heute, aber auch zuk\u00fcnftig stellen. Die aktuelle Covid-19-Situation verlangt dabei einen genauen und kritischen Blick \u2013 gerade auf diejenigen migrationsrechtlichen Auswirkungen, welche in der derzeitigen \u00abKrise\u00bb ungen\u00fcgend beachtet aber auch durch diese hervorgerufen werden.<\/strong><\/p>\n<p>Die Beitr\u00e4ge illustrierten, dass das Migrationsrecht weitreichend in den Handlungsspielraum der Professionellen der Sozialen Arbeit eingreift. W\u00e4hrend einige Autor*innen Begriffe und Konzepte an der Schnittstelle von Migration und Sozialer Arbeit thematisierten \u2013 etwa den \u00ab<a href=\"\/?p=5823\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ausl\u00e4nderanteil<\/a>\u00bb (Peter Streckeisen), <a href=\"\/?p=5834\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">differenzsensible multikulturelle Politik<\/a> (Barbara Waldis) oder <a href=\"\/?p=5850\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ethnisierung in der Street-Level Bureaucracy<\/a> (Esteban Pi\u00f1eiro, Martina Koch und Nathalie Pasche), zeigten andere die Konsequenzen einer restriktiven Migrationsgesetzgebung f\u00fcr die Profession auf.<\/p>\n<p><strong>Professionsethische Balanceakte f\u00fcr Sozialarbeitende<\/strong><\/p>\n<p>Zentral erscheint gem\u00e4ss Maria Acosta eine <a href=\"\/?p=5941\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">professionsethische Auseinandersetzung im Migrationsbereich<\/a> da, wo Sozialarbeitende im beruflichen Alltag nicht mit den anzuwendenden gesetzlichen Grundlagen \u00abeinverstanden\u00bb sind oder sie schwer umsetzbar erscheinen. So zeigt die von Eva Mey beschriebene <a href=\"\/?p=5852\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Situation in den Bundesasylzentren<\/a>, dass die Soziale Arbeit in vielschichtige hierarchische Machtverh\u00e4ltnisse eingebunden ist, aber auch Teil eines Geflechts von mitunter gegenl\u00e4ufig handelnden Akteur*innen wird. Diese Verwaltungslogik, vorgegeben durch den nationalstaatlichen (migrations-)rechtlichen Rahmen, leistet einigen Problematiken Vorschub. So verunm\u00f6glicht eine derartige institutionelle und rechtliche Einbettung der Sozialen Arbeit h\u00e4ufig die Aus\u00fcbung von sozialarbeiterischen und sozialp\u00e4dagogischen Interventionen, was sich laut Lea Summermatter und Fabienne Zimmermann auch in der <a href=\"\/?p=5936\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Arbeit mit Nothilfe beziehenden Frauen<\/a> zeigt. Schliesslich pr\u00e4gen die Machtverh\u00e4ltnisse und Verwaltungslogiken auch den beruflichen Alltag von Professionellen der <a href=\"\/?p=5825\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sozialen Arbeit im Bereich der Obdachlosigkeit<\/a>, wie H\u00e9l\u00e8ne Martin und B\u00e9atrice Bertho aufgezeigt haben. Den vielf\u00e4ltigen und komplexen Herausforderungen stehen knappe finanzielle und personelle Mittel und enge Handlungsspielr\u00e4ume gegen\u00fcber, was die t\u00e4gliche Arbeit erschwert.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich muss die im Rahmen des Migrationsrecht ausge\u00fcbte Soziale Arbeit den Balanceakt zwischen \u00abHilfe\u00bb und \u00abKontrolle\u00bb meistern. Die Kontrollfunktion manifestiert sich etwa im Bereich der von Lisa Marie Borelli kritisch beleuchteten <a href=\"\/?p=5827\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anwesenheits-, Auskunfts- und Meldepflicht<\/a>. Die \u00abHilfe\u00bb erfolgt in Form von unterschiedlichen sozialarbeiterischen und sozialp\u00e4dagogischen Interventionen. Und gem\u00e4ss Daniela Duff gilt es hier, <a href=\"\/?p=5832\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Methoden der ganzheitlichen F\u00f6rderung<\/a> einzusetzen und auch die weniger sichtbaren Ressourcen zu aktivieren.<\/p>\n<p><strong>Auswirkungen der restriktiven Migrationsgesetzgebung: Noch sichtbarer durch Covid-19 <\/strong><\/p>\n<p>Einige Effekte der restriktiven Migrationsgesetzgebung werden durch die aktuelle Covid-19 Situation verst\u00e4rkt \u2013 und die Soziale Arbeit ist mittendrin. Dies geschieht nicht etwa nur in der zu <a href=\"\/?p=5800\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beginn der Serie<\/a> diskutierten und in unserem <a href=\"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/projects\/governing-migration-and-social-cohesion-through-integration-requirements-a-socio-legal-study-on-civic-stratification-in-switzerland\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nccr \u2013 on the move Projekt<\/a> untersuchten Verkn\u00fcpfung von Sozialhilfebezug und Aufenthaltsstatus, beziehungsweise Einb\u00fcrgerung, sondern auch im von Simon Mastrangelo thematisierten Sichtbarwerden der <a href=\"\/?p=5919\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prekarit\u00e4t von Personen ohne Aufenthaltsstatus<\/a>.<\/p>\n<p>Die bestehende und sp\u00e4rliche Kritik zur Sozialen Arbeit im Bereich Migration, Mobilit\u00e4t und Integration reproduziert \u2013 gerade in Zeiten von Covid-19 \u2013 die bestehenden migrationsrechtlichen Rahmenbedingungen und best\u00e4tigt damit letztlich die Rolle der Soziale Arbeit als \u00abHandlangerin\u00bb des Migrationsrechts (Humphries 2004). Umso dringender ist die Profession, aber auch die Praxis aufgefordert, eine kritischere Positionierung zu den aktuellen (migrations-)rechtlichen Grundlagen und den darauf basierenden Machtverh\u00e4ltnissen und Verwaltungslogiken zu entwickeln, zu diskutieren, zu reflektieren und ein gemeinsames Argumentarium zu verfassen.<\/p>\n<p>Die Beitr\u00e4ge verdeutlichen, dass Soziale Arbeit im und mit dem Migrationsrecht vielf\u00e4ltig, lebendig und herausfordernd ist. Umso mehr ist der stetige Austausch an der Schnittstelle von Sozialer Arbeit und Migration, Mobilit\u00e4t und Integration fortzusetzen.<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/who-is-who\/people\/?p_id=8438\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stefanie Kurt<\/a> ist Assistenzprofessorin (Tenure Track) an der HES-SO Valais-Wallis am Institut Soziale Arbeit in Siders (VS) und Projektleiterin im nccr \u2013 on the move.<\/em><\/p>\n<p>Referenz<\/p>\n<p>\u2013 Humphries, B. 2004. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1093\/bjsw\/bch007\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">An Unacceptable Role for Social Work: Implementing Immigration Policy<\/a>, <em>British Journal of Social Work<\/em> 34(1), 93\u2013107.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Blogbeitr\u00e4ge zur zweiten Ausgabe der Serie Soziale Arbeit, Migration, Mobilit\u00e4t und Integration widmeten sich erneut verschiedenen Aspekten und thematisierten Fragen, welche sich heute, aber auch zuk\u00fcnftig stellen. Die aktuelle Covid-19-Situation verlangt dabei einen genauen und kritischen Blick \u2013 gerade auf diejenigen migrationsrechtlichen Auswirkungen, welche in der derzeitigen \u00abKrise\u00bb ungen\u00fcgend<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":5868,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[551],"coauthors":[344],"class_list":["post-5939","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized","tag-social-work"],"acf":[],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5939","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5939"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5939\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9965,"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5939\/revisions\/9965"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5868"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5939"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5939"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5939"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/nccr-onthemove.ch\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=5939"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}