Herausforderungen der Integration in einer Bergregion

13.02.2019 , in ((Blog series, Politique, Social Work)) , ((Pas de commentaires))

Der Kanton Wallis vereint Berg und Tal, Stadt und Dorf, Tourismus und Landwirtschaft. Dabei sieht sich jedes Gebiet wie auch jeder Sektor mit eigenen Herausforderungen im Bereich der Integration von ausländischen Mitbürger*innen konfrontiert. Die Frage stellt sich, wie wir kulturelle und ethnische Grenzziehungen innerhalb unserer Gesellschaft abbauen und dabei adäquate Lösungsansätze für ein funktionierendes Miteinander definieren können.

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts stellten im Wallis bereits die Grenzen zwischen den einzelnen Dörfern im Tal schier unüberwindbare Hindernisse dar. «Ausländer*innen» waren bereits die Bewohner*innen des Nachbardorfes. Vier von fünf Walliser*innen verbrachten zu dieser Zeit ihr ganzes Leben in ihrem Geburtsort. Erst 1830 wurde das Recht auf freie Niederlassung innerhalb des Kantons gewährt. Heute sieht das anders aus und die Migration findet nicht mehr nur kantons- oder landesintern, sondern global statt. Damit rückt die Integration von Migrant*innen immer mehr in den Fokus und gewinnt an Wichtigkeit. Doch was braucht es in einer Bergregion, wie es der Kanton Wallis ist, damit ein gemeinsames, aufgeschlossenes Miteinander funktionieren kann?

Regionale Integrationsstelle Oberwallis

Die regionale Integrationsstelle Oberwallis (RIO) ist zuständig für die teilnehmenden Gemeinden des kantonalen Integrationsprogramms (KIP). Dies sind die Talgemeinden Brig-Glis, Naters und Visp sowie die Berggemeinden Zermatt, Randa, Täsch und Leukerbad. Das dreiköpfige Team der RIO setzt sich für eine nachhaltige soziale Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ein. Ziel der Arbeit ist das friedliche Zusammenleben der gesamten Bevölkerung. Dazu braucht es Sensibilisierungsarbeit auf Seiten der Einheimischen sowie Informations- und Aufklärungsarbeit auf Seiten der Migrant*innen. Damit soll jegliche Form von direkter oder indirekter Diskriminierung beseitigt beziehungsweise schon vor deren Entstehung durch aktives Vorbeugen verhindert werden. Die Teammitglieder der RIO sind in erster Linie Ansprechperson in migrationsspezifischen Anliegen, sie leisten bedarfsgerecht Unterstützung und sind Schnittstelle zwischen Behörden und Institutionen und der breiten Öffentlichkeit.

 

Die Darstellung zeigt die Struktur des kantonalen Integrationsprogramms KIP 2 aufgeteilt in acht Pfeiler.
Quelle: Kanton Wallis

Was bedeutet Integration?

Integration bedeutet, dass die ausländische Bevölkerung in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens im Oberwallis teilhaben kann, was die dauerhafte wirtschaftliche und soziale Selbständigkeit beinhaltet. Die eher schwierigen geographischen und wirtschaftlichen Bedingungen im Kanton beeinflussen jedoch die Erreichung dieses Ziels. Ein gutes Beispiel dafür ist das innere Mattertal. Für einheimische Arbeitskräfte ist die Tourismusbranche wenig attraktiv. Unregelmässige Arbeitszeiten, saisonal befristete Arbeitsverträge, das tiefe Lohnniveau wie auch das knappe Angebot an Teilzeitstellen schrecken viele Schweizer*innen ab. Ausländische Arbeitskräfte, im inneren Mattertal sind dies zum grossen Teil portugiesische Staatsangehörige, füllen diese Lücke. Das Problem dabei ist: Viele dieser Arbeitskräfte sind aufgrund von saisonalen Arbeitsverträgen in der Schweiz als Kurzaufenthalter angemeldet. Doch dies für zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahre! Diese Migrant*innen zu erreichen ist enorm schwierig. Hinzu kommt: Es gibt keine Pflicht seitens der neu Zugezogenen oder Wiedergekehrten, einen Termin bei der Integrationsstelle wahrzunehmen. Lieber organisieren sie sich untereinander.

Diese Grafik zeigt die Länderstatistik in Zermatt. Insgesamt leben Menschen aus 61 Ländern in der Gemeinde. Der grösste Teil davon stammt aus Portugal.
Quelle: Gemeinde Zermatt 

Soziale und berufliche Integration

Neben dem inneren Mattertal arbeitet auch in der KIP-Gemeinde Leukerbad der grösste Teil der ausländischen Bevölkerung in der Tourismusbranche. 35 Prozent der Einwohner*innen stammen aus dem Ausland. Von der zuständigen Integrationsbeauftragten wird einmal pro Woche eine Sprechstunde angeboten. Das Ziel ist es, die Migrant*innen zu informieren und die Integration in die bereits bestehenden Strukturen zu unterstützen und zu fördern. Dies stellt sich vor allem in der Freizeitgestaltung als eine wesentliche Herausforderung dar, denn im Tourismusbereich wird dann gearbeitet, wenn das soziale Leben im Dorf stattfindet. In den Talgemeinden Brig-Glis, Naters und Visp zeigt sich die Situation derweil von einer anderen Seite: Ein grosser Teil der Zugezogenen stammt aus den EU/EFTA-Staaten (Europäische Union/ Europäische Freihandelsassoziation). Es sind Fachkräfte im Bereich Gesundheitswesen, in technischen Berufen oder im Ingenieurswesen. Sie sind oft bereits der deutschen Sprache mächtig, nehmen die ihnen gebotenen Möglichkeiten der Integrationsstelle an und integrieren sich beruflich wie auch sozial leichter. Der Fokus hier liegt einerseits bei der Erstinformation, der Unterstützung des Einzelnen wie auch bei der Öffentlichkeitsarbeit unter anderem im Bereich Schutz vor Diskriminierung. Denn Alltagsrassismus wird unterschätzt. Menschen werden aufgrund ihrer zugeschriebenen Andersartigkeit ausgeschlossen oder benachteiligt. Dies geschieht oft unbewusst, jedoch in manchen Fällen willentlich. Deshalb ist die Sensibilisierung in diesem Bereich umso wichtiger.

Migration als Bereicherung

Traditionen, sowie die im Kanton Wallis bekannte Zurückhaltung prägen das Thema Integration hierzulande. Immer wieder ruft das Wort Migration eine diffuse Angst bei der einheimischen Bevölkerung hervor. Dabei geht es um die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust oder um die Angst vor einem Verlust der heimischen Traditionen. Viel mehr jedoch muss uns bewusst werden, dass Migration wirtschaftliches Wachstum und kulturelle Bereicherung bedeutet. Mit diesem Bewusstsein wie auch mit gegenseitiger Akzeptanz, Toleranz und mit gemeinsamer Initiative gelingen Integration und ein funktionierendes Miteinander.

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